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Der Buchfink | HGON Hess. Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e.V.

Der Buchfink

Buchfinken im Zölibat?

Wer z.B. im Winter am  Vogelfutterhäuschen genau hinschaut, bekommt vom Buchfink fast nur Männchen zu sehen. Die Beobachtung, dass im Winter die Männchen der Art auffällig dominieren, ist schon Jahrhunderte alt. Sie hat sogar zur wissenschaftlichen Namensgebung des Buchfinken im Jahr 1758 beigetragen: „Fringilla coelebs“ bedeutet der im Zölibat, also ohne Weibchen ehelos lebende Fink.

Mit etwa zehn Millionen Paaren ist der Buchfink jedoch der häufigste Vogel in Deutschland, und gerade Singvögel brauchen zur Aufzucht der Jungen beide Eltern. Einer allein könnte die Jungen gar nicht gleichzeitig wärmen, füttern und vor Feinden schützen. Zur Brutzeit lebt der Fink daher gar nicht ehelos oder einsiedlerisch, sondern in trauter Zweisamkeit. Wohin also sind die Weibchen derzeit verschwunden?

Die Antwort aus heutiger Sicht ist genauso einfach, wie sie für unsere Vorfahren, die den Vogelzug noch nicht kannten, schwer war. So dachte man früher beispielsweise, dass die im Herbst „verschwindenden Zugvögel“ sich in Fische oder Mäuse verwandeln oder im Schlamm von Gewässern überwintern würden. Die Erforschung des Vogelzuges hingegen hat viele hochinteressante Fakten ergeben, darunter auch die Lösung für die „ehelosen“ Buchfinken. So zeigen die Ergebnisse der Vogelberingung eindeutig, dass die weiblichen Buchfinken im Herbst viel weiter und schneller nach Süden ziehen als die Männchen. Auch junge Männchen wandern weiter als alte, wenn auch meist nicht so weit wie die Weibchen. Aus mittel- und nordeuropäischer Sicht sind im Winter deshalb überwiegend Männchen anzutreffen. Wäre der Buchfink von einem Spanier mit dem wissenschaftlichen Namen versehen worden, hätte sich dieser hingegen über die fehlenden Männchen gewundert.

Der Grund für diese Geschlechtertrennung ist plausibel: Die Männchen konkurrieren um die besten Brutplätze und müssen daher kräftig sein. Da sie aus diesem Grund kräftiger als die Weibchen sind, verdrängen sie diese im Winter von den Futterstellen und haben überhaupt mehr Reserven, um Kälteperioden durchzustehen. Eine Überwinterung möglichst nah am Brutplatz ermöglicht den Männchen zudem eine schnelle Rückkehr im Frühjahr, so dass sie sich so die besten Reviere sichern können. Wer die besten Reviere besetzt, hat mehr Nahrung und weniger Feinde und kann so im Mittel auch die meisten Jungvögel aufziehen. Diese verhalten sich wie ihre Eltern, die Geschlechtertrennung verstärkt sich.

Für die Weibchen bedeutet die längere Wegstrecke indes keinen Nachteil, da die Winterverluste weiter im Süden geringer sind und sie sich bei ihrer Ankunft im Brutgebiet einige Zeit nach den Männchen einfach die besten Reviere und deren Revierinhaber aussuchen. Unterschiedliche Zugstrecken mit weiter ziehenden Weibchen gibt es daher bei vielen Vogelarten, z. B. bei der Feldlerche, Amsel, Mönchsgrasmücke oder verschiedenen Enten.

 

Arbeitskreis Schwalm-Eder