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Eichelhäher | HGON Hess. Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e.V.

Eichelhäher

Eichelhäher-Invasion

Schwergewichtler auf blauen Schwingen

Schwalm. Eichelhäher sind meist unauffällig und nicht leicht zu beobachten. Derzeit sind die bunten Rabenvögel aber auf Schritt und Tritt zu sehen: Eine große Invasion führt tausende Häher von Osten in unsere Breiten.

Der Eichelhäher ist ein schön gezeichneter, auffälliger Vogel. Sein warm bräunlich gefärbtes Körpergefieder kontrastiert zu den schwarzen Flügel- und Schwanzfedern und den leuchtend weißen Flecken am Bürzel und auf den Flügeln. Besonders hübsch, aber nur aus der Nähe zu sehen, ist der blau schillernde Flügelvorderrand. Dennoch ist er vielen Naturinteressierten nur dem Namen nach bekannt, da er sich die meiste Zeit leise und unauffällig verhält. Im Schwalm-Eder-Kreis ist er in allen Wäldern von der Schwalmebene bis zu Knüll und Kellerwald weit verbreitet.

Eichelhäher_Nur aus der Nähe zu sehen sind die leuchtend blauen Vorderflügel; Foto C. Gelpke

Nur aus der Nähe sind die leuchtend blauen Vorderflügel des Eichelhähers zu sehen, Foto: Christian Gelpke

In den letzten Wochen ist jedoch ein Phänomen beobachten, das sich in Abhängigkeit vom Bruterfolg und der vorhandenen Nahrung nur im Abstand von einigen Jahren wiederholt. Überall in den Wäldern, aber auch an Baumreihen im Feld und sogar in den Ortslagen sind Eichelhäher anzutreffen. An manchen Orten wurden in wenigen Stunden mehrere hundert gezählt, die in typisch schwerfälligem Häherflug nach Westen wandern. Es handelt sich dabei um Vögel, die ihre Brutheimat im Osten infolge Nahrungsmangel verlassen haben und nun auf der Suche nach geeigneten Lebensräumen sind. Gleichzeitig ziehen auch überdurchschnittlich viele Tannen- und Blaumeisen durch. Selbst der Kleiber, sonst ein reiner Standvogel, mischt sich vermehrt unter die Durchzügler.

Wer genau hinschaut, bemerkt Eichelhäher, die oft tagelang immer wieder den selben Weg hin und herfliegen. Dabei tragen sie einen Nahrungsvorrat für die kalte Winterzeit zusammen. Vor allem Eicheln, aber auch Bucheckern oder Haselnüsse werden gezielt geerntet und als Wintervorrat einzeln im Boden versteckt. Zu besonders geeigneten Nahrungsquellen können die Sammelflüge bis zu acht Kilometer weit führen und in der Tagessumme 175 Kilometer erreichen, für diesen relativ schlechten Flieger eine große Leistung. Bei einem Flug transportiert ein Häher bis zu zehn Eicheln im Schlund. Schätzungen gehen von unglaublichen 4.600 bis 5.000 Eicheln aus, die ein Vogel im Herbst insgesamt abtransportiert und versteckt. Das entspricht einem Gewicht von etwa 25 kg, also dem etwa 140-fachem seines Körpergewichts. Bei einem Menschen von 80 kg wären das im Vergleich etwa 11 Tonnen! Selbst unter eine Schneedecke von bis zu 40 cm finden Eichelhäher im Winter die meisten ihre Vorräte wieder. Die nicht aufgebrauchten Vorräte tragen nennenswert zur Ausbreitung und Verjüngung vieler Baumarten bei.

Arbeitskreis Schwalm-Eder