Silberreiher | HGON Hess. Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e.V.

Silberreiher

Blendend Weiß: Silberreiher in der Schwalm

Vor gut hundert Jahren ging es den weißen Schönheiten im Wortsinn an den Kragen. Für Modezwecke wurden zehntausende Silberreiher und andere Arten wie Möwen und Seeschwalben getötet, um mit ihren Federn Damenhüte zu „verschönern“. Diese heute kaum noch vorstellbare Mode brachte einige der betroffenen Vogelarten an den Rand des Aussterbens.

Wegen der auffälligen Schmuckfedern ging es dem Silberreiher vor 100 Jahren an den Kragen

Wegen der auffälligen Schmuckfedern ging es dem Silberreiher vor 100 Jahren an den Kragen

Dass sich in diesen Tagen wieder bis zu sieben Silberreiher in der Schwalmaue zwischen Zella und Dittershausen aufhalten, ist daher ein weithin sichtbares Zeichen für einen großen Naturschutzerfolg. Seit Jahrzehnten steht diese Art wie auch die anderen Reiher unter Naturschutz, so dass sich die Bestände allmählich wieder erholen konnten. Der seit „ewigen Zeiten“ erste Silberreiher, der sich wieder nach Hessen verirrte, wurde in den 1960er Jahren beobachtet. Seither haben die Brutbestände in Süd- und Osteuropa nochmals sehr deutlich zugenommen, so dass immer mehr der weißen Schönheiten auch in unserem Raum auftreten.

Hier haben die Tiere offenbar von den verwandten Graureihern abgeschaut, dass es sich nicht nur von kleinen Fischen, sondern auch von Mäusen auf Wiesen und Äckern gut leben lässt. Das hat sich unter den Silberreihern offenbar schnell herumgesprochen, denn in den letzten zehn Jahren werden alljährlich neue Maximalzahlen erreicht. Waren es um die Jahrtausendwende erst wenige Vögel liegt der Bestand bundesweit sensationell bei mehr als 4.000 der Stelzbeiner. Schwerpunke sind im Alpenvorland, entlang der Elbe und in Sachsen vorhanden. Hier wurde im November 2013 mit 344 Silberreihern sogar ein neuer Gebietsrekord aufgestellt. Auch Hessen steht mit mehr als 300 der weißen Reiher im Vergleich gut da.

Hier lassen sich die weißen Reiher vor allem in den Wiesenflächen zwischen Loshausen und Steina oder zwischen Treysa und Dittershausen beobachten, manchmal auch im Rückhaltebecken zwischen Treysa und Ziegenhain. Meist lauern sie, gerne zusammen mit Graureihern, auf Wiesen, wo sie es vor allem auf Mäuse abgesehen haben. Wagt sich einer der kleinen Nager in ihrer Nähe aus seinem Loch, stößt der dolchartige Schnabel blitzschnell zu und kurz darauf wird die Beute in einem Stück verschlungen. Wer die eindrucksvollen Vögel beobachtet, sollte sich ihnen nicht weiter als 150 Meter nähern und den Anblick nur aus der Ferne genießen, um die Tiere nicht unnötig zu stören. Gerade der aktuelle Wintereinbruch führt dazu, dass die Reiher wie auch andere Tierarten alle Energiereserven zum Überleben benötigen.

Ein wunderschöner Naturschutzerfolg_Der Silberreiher (S. Stübing)

Silberreiher, Foto: Christian Gelpke

Solche zusammenfassenden Aussagen sind „ornitho.de“, dem neuen Internetportal zur Meldung von Vogelbeobachtungen, zu verdanken. Jeder kann sich hier ganz einfach über die Verbreitung und den Bestand unserer Vogelarten informieren: Einfach www.ornitho.de im Internet aufrufen und die in der linken Randspalte aufgeführten Vogelarten anklicken, schon kann man die bundesweite Verbreitung der letzten Wochen ansehen. Wer sich bei „ornitho.de“ anmeldet, kann dort auch seine eigenen Vogelsichtungen eintragen, so dass sie in die vogelkundlichen Auswertungen für den Schwalm-Eder-Kreis oder die Schwalm einfließen. Mit jeder Meldung wird unser Bild vom Auftreten und den Zugbewegungen der verschiedenen Vogelarten besser – machen Sie mit!

 

Arbeitskreis Schwalm-Eder