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Schwarzstorch | HGON Hess. Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e.V.

Schwarzstorch

Adebars schillernder Bruder

Adebar, der Weißstorch, bringt dem Volksmund zufolge die Babys, und so kennt den beliebten Vogel gerade in der Schwalm fast jedes Kind. Fast unbekannt ist jedoch, dass in alte Wälder von Knüll und Kellerwald auch der jahrzehntelang ausgerottete Schwarzstorch zurückgekehrt ist.

Dieses Schwarzstorch-Paar hat seinen Horst in einer alten Rotbuche errichtet_Foto Christian Gelpke

Dieses Schwarzstorch-Paar hat seinen Horst in einer alten Rotbuche errichtet, Foto: Christian Gelpke

Der in wunderschönen Violett- und Grüntönen schillernde Waldstorch mit leuchtend rotem Schnabel und Beinen war nach dem Abschuss des letzten hessischen Paares 1909 im heutigen Kreis Waldeck-Frankenberg auch in weiten Teilen Westeuropas ausgerottet. Die aus der Entfernung überwiegend schwarz mit weißem Bauch wirkenden Vögel von Weißstorch-Größe galten als Nahrungskonkurrenten des Menschen, weil sie sich vor allem von Fischen ernähren. Entsprechend scheu wurden die Tiere, die die intensive Verfolgung überlebt hatten.

Erst mit Beginn der 1980er Jahre siedelten sich einzelne Paare wieder in Hessen an. Durch umfangreiche Schutzbemühungen brüten im Schwalm-Eder-Kreis nun wieder etwa acht und in ganz Hessen etwa 90 Paare der einzigartigen Vögel auf alten Rotbuchen oder Eichen. Doch auch aktuell sind viele Vorkommen des Schwarzstorchs durch zu intensive Waldnutzung gefährdet, denn Forstarbeiten in Brutplatznähe verträgt der scheue Waldbewohner nicht. Auch Wanderwege, die zu dicht am Brutplatz vorbeiführen, haben schon mehrfach zur Brutaufgabe geführt. Und während sich viele Naturbeobachter nach einer Begegnung mit dem Waldstorch sehnen, meinen es manche Zeitgenossen auch heute überhaupt nicht gut mit dem großen Vogel. So wurden in den letzten Jahren mehrfach Schwarzstörche in der Rhön erschossen oder tödlich durch Fallen verwundet aufgefunden. Im Schwalm-Eder-Kreis gab es im Herbst 2013 einen schwerstverletzten juvenilen Schwarzstorch, der durch eine Schlagfalle ein Bein verloren hat und dadurch für die Natur verloren ist.

Wer Adebars dunklen Bruder einmal selbst erleben möchte, hat in den Wiesentälern des Knülls um Neukirchen, Großropperhausen oder Ottrau die besten Chancen. Hier sind immer wieder überfliegende oder an kleinen Wiesenbächen nahrungsuchende Schwarzstörche zu beobachten. Sehr selten kommen die Tiere auch in die Schwalmniederung und sind dann im Rückhaltebecken oder im Umfeld des Segelflugplatzes zu sehen. Wer das Glück hat, dem Vogel zu begegnen, sollte aber unbedingt seine große Fluchtdistanz berücksichtigen und sich ihm nicht weiter als 100 oder 200 Meter nähern. So bleibt der heimliche Waldstorch ungestört und unseren Wäldern als Brutvogel erhalten.

 

 

Arbeitskreis Schwalm-Eder